Archive for the ‘Deutsch’ Category

Kolejne moje wiersze przełożone na język niemiecki przez

dr Małgorzatę Półrolę:


ENJOY GRAZ

 

unerwartet  frostige Luft

auf dem Jakominiplatz

 

hoch an den Mauern des Schlossbergs

ein Transparent mit der Aufschrift:

„Katja, I love You”

 

im Café an dem Fluss Mur

streichelt der Kellner einen Hund

 

der Traum von dir

dem vor einem Monat Verstorbenen

– du hast einen kalten Körper und klagst mir:

„die ganze Zeit habe ich unter Null Grad”

 

die Augen des Mannes

der vor dem Billa bettelt

 

die DNA eines Mäuseherzens

tief im Reagenzglas

 

und meine Tochter

die ihre Hände wie einen Fächer auseinander faltet

wenn sie mir den Namen

ihres Kollegen Strauß erläutert:

„Ein Blumenstrauß der Straußenvögel”

 

 

 

 

 

x  x  x

 

der dorfnarr

sitzt am Grab der Mutter

 

die Knie mit den Armen umfassend

und schaukelnd sagt er immer wieder:

die Mutter in der Erde

die Erde in der Mutter

 

 

 

 

 

x  x  x

 

zweiundzwanzig Jahre

nach dem Beginn unserer Liebe

unterhalten wir uns über die Männer

die ein doppeltes Leben führen

– sie haben Ehefrauen und Liebhaberinnen

(weil sie sich das leisten können)

 

ich frage

ob du so leben möchtest

wie sie

 

„ich denke dass ich dich doppelt haben möchte”

antwortest du

 

 

D E U T S C H

 

Ich bin 1960 geboren, lebe In Polen und bin Dichterin, Journalistin und Bibliothekarin. Meine Gedichte wurden ins Deutsche, Englische, Französische, Russische und Serbische übersetzt und sind bereits in Deutschland, den USA und Serbien veröffentlicht worden. August/September 2010 war ich bei dem Literatursommer, einer zyklischen, von Schleswig-Holstein veranstalteten Begegnungsreihe mit Literatur, zu Gast.

M A R I A  D U S Z K A

Gedichte

Übersetzung: dr MAŁGORZATA PÓŁROLA

 

x x x

gewöhnlich gebären frauen
kinder

den dichterinnen
verwirrt gott das leben
damit sie
gedichte gebären

 

 

x x x

Du spielst auf mir
Herr
diese gedichte

Du weißt gut
wenn es nicht so sehr
schmerzte
würde ich sie nicht schreiben

 

x  x x

 

für Mirka und Monika

noch lohnt es sich gedichte zu schreiben
über das große geheimnis der bäume
die in der herbstdämmerung wachsen am fluss

über die steine am grund des bachs
über die luft im august
so klar
dass nachts alle sternschnuppen
zu sehen sind

und über euch
schwester birke
und schwester tausendschönchen

 

x x x

ich stehe am fenster
ergebe mich dem raum
lasse die zeit still stehen

 

x x x

bäume
– das was uns blieb
vom paradies

 

x x x

ich liege im wald

die birken segnen mich
mit ihren zweigen

 

x x x

ich möchte so sehr
in keine häuser zurückkehren
keine worte hören
außer dem flüstern
gefallener blätter
und nackter bäume

so sehr bin ich
mit ihnen verschwistert
so sehr sind wir einander ähnlich

 

x x x

ein tag auf der reise
ich schlage das buch nicht auf
lese die welt

 

GALERIE WELT

schneeflocken
baumblätter
– keins wie das andere

Gott ist ein perfekter künstler

 

x x x

ich weiß gern worauf ich stehe
auch wenn das
der abgrund ist

 

x x x

ich war am boden
nicht nur einmal

ich war tief unten
der Herr hat mich gerettet

er schickte nach mir
als ich am boden war

 

x x x

große dinge
hat der Herr für mich getan –

Er hat mir den sandigen feldweg geschenkt
birken am wege
schlehen
und heckenrosen
wegwarten mit augen
wie der wolkenlose himmel
die herzliche arnika
und die feldbirnen

ich kann wandern
wo nur himmel ist
feld und wind

 

WER GIBT, DEM WIRD GEGEBEN

„immer arbeite ich
so gut ich kann
warum also leide ich
stets mangel“
klagte sie Gott im gebet

tags darauf bekam sie antwort
die beste aller möglichen
„sei freigebig für dich und andere“

 

x x x

die erste liebe
wie ein blitz
enthüllt den offenen himmel

danach lang
dunkelheit

 

x x x

wenn du schweigst
ist stille
wie vor dem ende
meiner welt

wenn du sprichst
gehorche ich deinem flüstern
und tanze auf deiner offenen hand

 

x x x

heute werde ich bei dir sein

mein herz über mir
wie die lerche

 

x x x

zufällige begegnung mit dir

– wie wenn Gott
meine wange streichelt

 

x x x

manchmal beneide ich
den hund
den du streichelst

 

x x x

ich hängte in den schrank
deinen sakko

alle meine kleider
wollen ihm nahe sein

 

x x x

nach unseren sommern
und wintern
als wir stritten
geschenke zurückgaben und wegwarfen
auf knien zurückkehrten
um mitternacht telefonierten

nach all den kosenamen
die du für mich erfandest
/niemals nanntest du mich
mit meinem namen
„denn das wäre zu intim“
– erst einige tage vor dem tod … /

überlege ich mir
was wäre
wenn eines tages
einer von uns
zu sagen wagte:
„ich liebe dich
verletz’ mich nicht“

wir  beide waren feige

 

x  x  x

er lehrt mich gehen
/lächelnd/
auf der messerschneide
der ungewissheit

mal um mal schleudert er
den stein des wortes
– und verfehlt nie das ziel

und nur selten
streichelt er mich mit einem blick
voll ungespielten
mitleids

heute abend
werde ich diese liebe
mit einem wort töten

 

x x x

zur zeit der kirschbaumblüte
arbeiten
die japaner nicht
sie feiern

selbst in den herzen der großstädte
sitzen sie mehrere tage
unter den blühenden bäumen
sie bereuen die verfließende zeit nicht
sitzen bis die kirschblüten abgefallen sind
von schönheit durchtränkt
kehren sie zur arbeit zurück

in meiner siedlung
wurde ohne not
der schöne alte garten gerodet

die nachbarn sagen
endlich ist ordnung hier

wir werden kein zweites japan

 

x x x

im jahre 1980 sagten sie:
„wir kämpfen um die würde
des arbeitenden menschen“

im jahre 2004
begegnet arbeitslosen
die nach arbeit fragen
der kleine direktor
einer winzigen firma und sagt:
„ich brauche fünf männliche
und fünf weibliche …“

 

DIE DECKE

spät in der nacht sehe ich
eine fernsehreportage:

„wenn  ich genug geschlafen habe
bin ich hungrig

ich bettle

manchmal wenn ich mehr bekomme
kaufe ich mir wein oder einen cocktail
esse mich satt und schlafe wieder

wenn ich aufwache, starre ich die decke an
– ich kann diese decke schon nicht mehr ausstehen

für mich gibt es keine arbeit
ich kann nicht stehlen
im arbeitsamt sagten sie mir
ich sei
unangepasst …“

er ist ungefähr 35 jahre alt
hat ein schmales bärtiges gesicht
und einen schutzlosen blick

solche augen konnte Christus haben

 

x x x

zum andenken an meine nächsten

und doch schien es
sie werden schon immer noch bleiben
in diesem mit kamille bewachsenen hof
in diesem warmen haus
in diesem sicheren bett

der reihe nach bläst die zeit sie weg

 

x x x

meine mutter hat mich
in die welt gesetzt

meine mutter ist gut
sanft
und geradlinig
wie ein kind

ich kann es ihr nicht verübeln
dass sie mich der welt ausgesetzt hat

 

x x x

wenn wir sterben müssen
(auch wenn wir früher behaupteten
dass es nicht wert sei zu leben)
nimmt die welt farbe an
und gewinnt scharfe konturen
wie der sommer im august

und alle augenblicke
die es gab
und die es noch geben könnte
haben plötzlich gewicht und wert

 

x x x

gegen die unruhe des herzens
ein gebet
als schlaftrunk
oder
der gedanke an deine hände
die sanften
die  beschützenden

 

FAST ALLE HABEN SICH ABGEWANDT

das war ein schöner oktober
– Szymborska bekam den nobelpreis

zu mir kam jeden tag
ein betrunkener krimineller
er behauptete er liebe mich
und würde ich nicht mit ihm leben
so werde er mich und sich umbringen

da riet ich ihm er solle mit sich anfangen
– er verstand den witz nicht

polizisten sagten
sie könnten ihm erst etwas anhaben
wenn er mich umgebracht hätte

der vip in kulturfragen bemerkte:
„kein wunder, dass ihnen dies widerfährt
wenn sie solche gedichte schreiben“

einer meiner vielen brüder verkündete:
„du musst auf dich selbst zählen“

der mann meines lebens dem
meine besten gedichte galten sagte:
„mich geht das nichts an
denn ich bin hier
und das läuft dort“

und Gott machte mir klar
genau zu der zeit
er erwarte von mir dankbarkeit
für das leben so
wie es ist

ich lebe

bin dankbar

besinge meine einsamkeit

 

 

x x x

mein herz
das schon
tot war

mein herz das nicht erwartete
es könne noch von feuer
entflammt werden
setzt mich in staunen

 

 

MUTTER


im krankenzimmer
zwischen den aufeinander folgenden
tropfflaschen
narkosen
kopftrepanationen
jeden tag gegen drei uhr nachmittags
bittest du mich zu schauen
ob das mittagessen schon gekocht sei
„da bald die jungs aus der schule kommen“
ich frage wo es denn kochen solle
„na dort“
erwiderst du und zeigst mit dem kopf
in die richtung des gangs
in dem andere kranke liegen
die auf ihre operationen warten

in deinem bewusstsein blieben nur noch
unsere gesichter und namen
und der gedanke
dass du wie die letzten 40 jahre jeden tag
für uns das mittagessen kochst

 

 

KERN DER HELLIGKEIT


jahre gehen vorüber
häuser
männer
meines lebens

es vergeht nicht
bleibt in mir
ein nebliger herbstabend
ein plötzlicher lichtschein
das schwanken der erde
bei der ersten berührung
unserer lippen

 

 

x  x  x

so ungültig werden in mir
meine worte

so wundert es mich
dass im spiegel
mein gesicht ist

so weit von mir zu euch
meine nächsten

Wroclaw 1981

 


ERWARTUNG

weder winkte ich mit der hand
noch lockte ich dich mit lächeln
oder mit einem wort
und doch bist du gekommen
– du wusstest
es war nur meine erwartung
dass die handbewegung ausblieb
das lächeln
und das wort

 

 

x x x

bleib stehen
schau zum fenster
/dort
gibt es
fast immer
ein Gedicht/

 

 

x  x  x

er schaute zum Fenster
an einem sehr nebligen Morgen
„o, die welt ist nicht mehr da …“

 

 

GUTE NACHT – TELEFONGESPRÄCH

– Halt fest!
– Woran?
– An meiner Liebe.

 

 

 

 

Übersetzung: KATARZYNA TOMASZEWSKA

 

x x x
ein gebet
-abstoßen der dunkelheit

 

x x x
ich habe in meinem schrank
deine jacke gehangt
alle meinen kleider
wollen bei dir sein

 

x x x
du wirst noch einmal lügen
noch viele male
bis dir die lüge
den mund verschweißt
dann wirst du schweigend lügen
dass du viel zu sagen hast

 

x x x
mein herz
welches schon tot war
mein herz
welches nicht geahnt hat
dass es noch ein feuer
berühren kann
verblüfft mich

 

x x x
manchmal beneide ich
den hund
den du streichelst

 

x x x
das graue hat viele farben
ich bemerkte das kürzlich
in deinen augen

 

x x x
heute werde ich bei dir sein
mein herz über mir
wie eine lerche

 

x x x
die erste liebe
wie ein blitzschlag
zeigt den offenen himmel
dann lang
dunkelheit

 

x x x
ich liege im wald
birken segnen mich mit ihren
ästen

 

x x x
gegen herzensunruhe
das gebet
wie ein schlafmittel
oder
der gedanke an deine
sanften
sicheren hände

 

x x x
ich steh’ am fenster
mich dem raume hingebend
zeit durchdringt mich

 

x x x


wir wissen immer noch nichts
wir sind wie kinder stehend
an der schwelle

 

x x x
augen der tiere
sind immer rein
tiere haben keine seele
und keine gewissensbisse
sie betrachten mich
fragend
aufmerksam
mir fehlt der mut
ihnen in die augen zu schauen

 

x x x
ja ich wollte
zu keinen häusern
zurückkommen
keine wörter hören
außer des flüsterns
der gefallenen blätter
und nackter bäume
ja sie sind mir
wie brüder
ja wir sind uns
ähnlich

 

x x x
die treuste wiederspiegelung der welt
ist nicht das antlitz
des bösen
oder des guten
oder dessen
der schon fast
alles weiß
sondern
das antlitz des dummkopfes

 

x x x
wenn wir sterben sollen
(obwohl wir früher gesagt haben
das es sich nicht lohnt zu leben)
wird die welt bunt
und bekommt scharfe konturen
wie der sommer im august
und alle momente
die einst waren
und die die noch werden könnten
haben plötzlich wert und bedeutung

 

x x x
es lohnt sich noch gedichte zu schreiben
vom großen geheimnis der bäume
die im herbstdunkeln am fluße wachsen
von steinen auf dem boden eines baches
von der augustluft
so rein
dass man zur nächtlichen stund’
alle sternschnuppen sehen kann
und von euch
schwester birke
schwester gänseblümchen

 

x x x
ich verliebte mich in den mond
und als er sich
von mir
wegdrehte
ist mein silbener weg
plötzlich gerissen
ich wusste nicht
dass es so weit
sein kann
zu den sternen
und zu menschen